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Erfahrungsbericht Sommer Cable Quadra Blue

soundrealist

Well-Known Member
Als DHL das Paket anlieferte dachte ich zuerst an eine Verweckslung. Konnten 2x 2 Meter a 4x4 qmm Lautsprecherkabel wirklich ein solch hohes Gewicht haben? Selbst nach dem Öffnen des Kartons entkräftete sich dieser Verdacht nicht sofort. Wurde mir statt Sommer Cable Quadra Blue ein Erdkabel für den Straßentiefbau geliefert? :p Lediglich die Farbe, der Aufdruck und die Länge verriet mir:Nein, Irrtum ausgeschlossen.

Beim Gedanken so etwas selbst konfektionieren zu müssen, wurde mir erst mal wirklich klar, was ich mir da selbst angetan hatte. Allein schon: Wie in Gottes Namen hatte der Verkäufer so etwas überhaupt von der Kabelrolle abschneiden können? Mit einer Schere oder einem Teppichmesser ganz sicher nicht. Wohl eher mit einer Metallsäge Z04 Head Wall

An den Schnittstellen konnte man bereits schon die sehr komplexe Architektur des Quadra Blue erkennen.

Aufgabe Nummer 1: Die äußere Isolierung in passender Länge abtrennen. Aber wie? Der blautransparente äußere Mantel geht locker als hochdruckressistenter Gartenschlach durch. Lösung, so paradox das klingen mag. Mit einer Nageschere. Zwischen den eigentlichen Signaladern befinden sich weiße Isolationsadern. In deren Verlauf schnitt ich zuerst vorsichtig in deren parallelem Verlauf die Isolierung ein, anschließend querschnittumrundend ab. Das gelang recht gut, weil die Isolierung selbst durchsichtig ist und man somit genau sehen kann wo sich die Scherenklinge gerade befindet.(Auf einem der Fotos unten habe ich mir einen Spaß erlaubt und das abgetrennte Stück Isolierung neben unseren Gartenschlauch gelegt, damit ihr sehen könnt, dass ich mit meiner Beschreibung nicht wirklich übertrieben habe Z04 KaputtlachenZ04 Yes)

Nächste Schicht: die erste Schirmung, ein Metallgeflecht. Das ging völlig easy zu entfernen. Ebenso die zweite Schirmung, die ich am ehesten als eine Art flaches geschäumtes Fließ bezeichnen würde.
Erst jetzt traten die eigentlichen, verschiedenfarbenen Signaladern, gefächert mit besagten Abstands-Blindadern zum Vorschein. Letztere erinnerten im offenen Zustand an eine weiße Bastschnur.

Nun konnte ich die kompletten Kabel mit Gewebeschlauch und die Signalleitungen mit roten und schwarzen Schrumpfschläuchen für die optische Phasen-Codierung ausrüsten.

Hurra, fast geschaft? Nö, der garstigste Arbeitsschritt sollte erst noch kommen.Z04 Nein1 Denn die (ebenfalls sehr dicke) Isolierung der vier inneren Kabel war extrem widerborstig. Erst nach über einer Stunde und viel Geduld, gelang es mir mit einem Skalpell diese von ihrer recht harten Isolierung jeweils in Stecker-Länge zu befreien. Die hohe Festigkeit hat allerdings auch einen technischen Hintergrund. Denn auf diese Weise können die feinen Kupferlitzen in Verbindung mit einer speziellen Verseilung so stark zusammengepresst werden, dass nahezu die Material-Dichte eines Massivleiters erreicht wird.
Besonders deutlich wird dies, wenn man zuerst einen Leiter im nicht abisolierten Zustand betrachtet, so wie ich ihn auf dem zweiten Foto unten in die Kamera gelalten habe, und anschließend mit diesem Werksfoto hier vergleicht: https://shop.sommercable.com/Kabel/...-geschirmt-SC-Quadra-Blue-485-0052-440.htmlAn dieser Stelle wird klar: Querschnitt allein sagt nicht alles aus. Entscheidend ist neben der Reinheit die tatsächliche Kupfermenge pro laufendem Meter.

Nachmittags begonnen, dauerten die Arbeiten für die Konfektionierung, einschließlich einer etwas längeren Unterbrechung fürs Abendessen bis zum Einbruch der Dunkelheit. Okay, wer etwas geübter in sowas ist, hätte es vermutlich schneller hinbekommen. Ich für meinen Teil war aber froh, endlich die unbequemen Einmalhandschuhe ausziehen zu können

Doch dann war es endlich vollbracht und vor mir lagen die beiden fertig konfektionierten Kabelringe. Statt dem UPE von fast 46,- € pro Meter konnte ich meine Quadra Blue für einen Straßenpreis von knapp über 30,- € p.M. schießen, zzgl. Stecker.

Trotz aller Neugierde, ob sich dieser ganze Aufwand auch klanglich irgendwie niederschlägt, war ich nach einem harten Tag aber viel zu Müde, mein Bastelwerk noch anzuschließen. Der heutige Start in ein langes Wochenende war dafür dann auch viel besser geeignet und deutlich entspannter.

Da Bi-Wiring ja niemals wirklich „Bi“ ist (spätestens im Verstärker treffen beide Leitungen wieder aufeinander), hatte ich auch keinen Schmerz damit, die Brücke an den Lautsprechern dran zu lassen. Schließlich geht es mir ja ausschließlich darum, dass aufgrund der Bi-Wiring-Klemmen an keiner Stelle Signalumwege mit unterschiedlichen Übergangswiderständen bis zur Frequenzweiche im Boxen-Inneren entstehen.

Und was soll ich sagen? Ja, ich konnte an meiner Anlage tatsächlich einen kleinen Unterschied hören. Ob es nun an der unfassbar aufwändigen Schirmung liegt, oder aber an der Fertigungskunst von Sommer-Cable viel mehr Kupfer zwischen die Isolierung zu pressen, als es üblicherweise bei Standard-Kabeln der Fall ist: Es klingt nun fast ein wenig so, als ob mein Lyngdorf unmittelbar in der Box selbst seinen Dienst verrichten würde.

Wer den Arbeitsaufwand nicht scheut, erhält hier für einen eigentlich eher moderaten Kurs sicherlich so ziemlich mit das ultimativste und beste Lautsprecherkabel, das es am Markt gibt. Ich wüsste nicht, was ein Hersteller hieran konstruktiv noch verbessern könnte.

Insbesondere von der absolut kompromisslosen Abschirmung dürften alle profitieren, die noch mit analoger Verstärkertechnik unterwegs sind. Somit sogar noch eine Schippe mehr als ich mit meinem TDAI 3400. Auch für Anwender, die nicht umhin kommen, das Lautsprecherkabel nahe einer Stromleitung verlegen zu müssen, eine durchaus lohnende Anschaffung.

Ein Aspekt, der vor allem bei einem so dicken Kabel nicht außer Acht gelassen werden sollte: Die schrille, blaue Farbe. Nicht überall ist so etwas im Sichtbereich wünschenswert. Ein einfacher Gewebeschlauch im Rahmen der Konfektionierung schafft ggf. Abhilfe.




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Sehr schön geworden. Würde ich glatt auch mal versuchen. Aber mit zwei Meter pro Box komm ich bei mir leider nicht hin. Und dann wirds deutlich teurer :p Zum Ausprobieren dann leider trotz allem etwas kostspielig.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und ich dachte immer, ich wäre so ziemlich der einzige, der Freude an solchen Basteleien hat.

Konstruktiv ist dieses Kabel auf jeden Fall absolut Top. Es gibt aber auch noch eine Sache, die mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Nämlich ob es irgendwelche Wechselwirkungen zwischen der Frequenzweiche in der Box und der Art des Lautsprecherkabels gibt.
 
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