Hallo Andreas, ganz herzlich willkommen in unserer Mitte
Die Analoge Musik war immer meins
Ein gutes Stichwort, denn es gibt mir ganz allgemein Gelegenheit, in die Begrifflichkeit des "analogen Klanges" etwas zusätzliche Transparenz zu bringen.
Ausgehend von der Überlegung, dass ja bereits die menschliche Stimme und jedes Musikinstrument auf analogem Wege erzeugt wird, ist es für viele Hifi-Fans zunächst einmal naheliegend, auch über die heimische Anlage "analog" wieder zu geben. Doch genau hier lauern einige der häufigsten Denkfehler. Aber der Reihe nach.
Gehen wir eine "analoge Kette" doch einmal Schritt für Schritt durch. Anhand eines bildhaften Vergleiches für alle, die ihr Hauptaugenmerk eher auf das reale Hörergebnis lenken.
Schritt 1 = Die Aufnahme im Studio
Bereits hier wird , abgesehen von ein paar exotischen Ausnahmen, bereits grundsätzlich digitalisiert. Stellen wir uns diesen Prozess einmal als ein wunderschönes Poster vor, das in viele Millionen kleine Schnipsel zerstückelt wird. In der Vorstellung vieler Highender lauert hier der Belzebub

"Das schöne Original in Pixel zerbröselt". Im Prinzip passiert aber nichts anderes, als wie wenn wir einen Spielfilm, der ursprünglich einmal auf Zelluloid aufgenommen wurde, für die Herstellung einer 4K-BlueRay digitalisiert wird. Hand aufs Herz: sehen wir das Bild anschließend verpixelt? Aber okay, setzen wir diesen Sachverhalt zunächst als Usus voraus. Können wir uns als Konsument dagegen wehren? Zerschnippelt ist und bleibt nun einmal für immer in Nullen und Einsen zerschnippelt.
Schritt 2 = Die Produktion
Ein Schallplatte oder ein Tonband ist analog. Doch was packen wir da nun drauf? Richtig, die "analoge Fotokopie" unserer bereits "datenzerschnippelten" Aufnahme.
Schritt 3 = Die Wiedergabe
... der nächste "alte Fotokopierer" in Form eines Tonbandgerätes oder Plattenspielers fügt unserem "Bild" Unschärfe zu. Bzw. Rauschen und erhebliche Dynamikverluste.
Von dort aus erreicht das Audiosignal den nächsten Fotokopierer, .... äh

.... den Hifi-Verstärker: weitere "Eintrübungen und Farbveränderungen unserer Datenschnipselkopie". Unzählige analoge Bauteile und Potis müssen in Form eines regelrechten Hindernis-Parkour durchlaufen werden. Und je schlechter deren Qualität und das Layout, desto massiver der negative Einfluss. Genau deshalb sind die besseren analogen Hifi-Geräte auch so kostenintensiv. An der Grundproblematik ändert das alles aber natürlich freilich nichts.
Und was hören wir dann ganz am Ende?
Auf jeden Fall ein verändertes Signal. Und weil anders nun einmal anders klingt, wird dieses "analoge" Resultat- ohne Betrachtung des erwähnten Kontextes - in Fachzeitschriften und Hifi-Studios als "natürlicher" Klang suggeriert. Insbesondere Röhrenverstärker setzen hier noch einmal eine ganze Schippe oben drauf.
Daß einem das alles subjektiv trotzdem gefallen kann, ist selbstredend völlig legitim. Über persönlichen Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Nur ist es halt elementar zu wissen,
was man hört. Erneuter Vergleich mit den "Puzzelteilen": Um ein möglichst
authentisches Audiosignal zu erhalten, macht es schlicht viel mehr Sinn, die digitalen Originaldaten aus der Studioproduktion unverändert und möglichst nahe vor den Lautsprecher zu
transportieren, statt ein "analoges fotokopiertes Datenschnipselfoto" über hunderte von zusätzlich belastende, gleichsam analoge Umwege" zu schicken.