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Ist eine lineare Wiedergabe bei Lautsprechern überhaupt erstrebenswert?

Level91

Active Member
Genau das habe ich mich gestern gefragt, als ich nach langem endlich mal wieder eigene Musik aufgenommen habe.

Zum ersten mal ist es mir irgendwie so richtig bewusst geworden, dass Lautsprecher letztendlich ja gar nicht so wiedergeben, wie wir hören. Denn der Schall kommt von vorne.
Ganz anders ein Kopfhörer, der mit seiner Wandleranordnung ja viel eher der Anatomie unseres Gehörs entspricht. Und Kunstkopfstereophonie unterstreicht diese Einschätzung ja noch, weil damit ja auch eine - oben-unten-vorne-hinten- Lokalisation möglich ist.

Immer mal wieder sind hier im Forum darüber hinaus die Blauertschen Bänder angesprochen worden
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Auf diesem Bild ist sehr gut zu erkennen, welche Frequenzbereiche für was genau verantwortlich sind.

Ist es also nicht viel erstrebenswerter, bei der Wiedergabe von Lautsprechern, hier gezielt den Frequenzverlauf zu "verbiegen", um die akustische Bühne ganz bewusst zu gestalten?
 

boxenschieber

Active Member
Hm.... von der Seite habe ich die ganze Sache noch gar nie betrachtet.

Grundsätzlich hast du natürlich erst mal Recht: Selbst in einem akustisch optimiertem Raum klingen linear abgestimmte Lautsprecher, die den Schall von vorne kommend zum Hörer hin abstrahlen, anders als ein ebenfalls linearer Kopfhörer

Ein wichtiger Punkt ist aber, dass wir bei dieser Überlegung erst mal gar nicht wissen, was der Tontechniker im Studio überhaupt zur Referenz erklärt hat. Ich nehme an, es sind die Lautsprecher, da dieses Medium in Summe einfach viel häufiger genutzt wird. Aber deine Überlegung, dass ein Kopfhörer deutlich reversibler arbeitet, als Lautsprecherboxen, trifft ohne Frage uneingeschränkt zu.
 

soundrealist

Well-Known Member

So ist es. Und da ich persönlich, so wie vermutlich auch die meisten von uns, die Lautsprecher-Situation im Studio in einem normalen Wohnzimmer nicht reproduzieren können, nehme ich sehr gerne den Kopfhörer als Referenz und optimiere dann für die Boxen gerne innerhalb der Blauertschen Bänder per DSP, um die akustische Bühne ähnlich klingen zu lassen, wie über Kopfhörer.
 

Hifiwünscher

Active Member
Ganz genau. Denn egal wie gut man raumakustisch optimiert: "Den" akustisch fehlerfreien Hörraum gibt es defacto nicht, Wände und Flächen sind nun mal immer vorhanden, genau so wie "lebende" Absorber (= Hörer und Personen im Raum), die das Ergebnis permanent verändern. Physik halt. Man kann lediglich versuchen, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, in dem man die klangschädliche Wirkung etwas abmildert. Wobei das wahllose aufhängen nach dem "Ungefähr-Prinzip" durch Laien, insbesondere bei hohen Frequenzen im Extremfall sogar mehr schaden als nützen kann.

Nicht jede Veränderung ist automatisch eine Verbesserung. Und was nützt der linearste Frequenzverlauf, wenn es in der Hörpraxis dann doch nicht so klingt, wie erhofft. Da kann das Geld für einen professionellen Raumakustiker dann doch schon mal gut angelegt sein.

Viele Anbieter lassen diese Problematik in die Entwicklung ihrer Lautsprecher bereits mit einfließen. Um die Boxen möglichst "breitenkompatibel" zu machen. Was dann wiederum zwangsläufig bedeutet, den Pfad der Linearität zu verlassen.

Ich muss daher auch immer ein wenig schmunzeln, wenn ich Statements lese wie "Ich will einen absolut linear abgestimmten Studio-Monitor, den Frequenzgang kann ich mir ja selber verbiegen wie ich will". Solche Aussagen schwächeln an zwei ganz entscheidenden Stellen: Erstens haben die allerwenigsten ein DSP, das es erlaubt, frequenzgezielt einzugreifen, zweitens muss man auch da ganz genau wissen, was man tut. Daher ist es imo auch völlig legitim, wenn Hersteller dann versuchen, bei der Abstimmung, einen möglichst breitgefächerten Kompromiss zu finden,
 

boxenschieber

Active Member
Genau das ist auch der Grund, warum es zwei verschiedene Gattungen von Lautsprecherboxen gibt: Hifi-Lautsprecher und Studiomonitore. Für den jeweiligen Einsatzzweck hinsichtlich voraussichtlicher Bedingungen optimiert.
 
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